Sterbehilfe legalisieren?
By Konna • 18. March 2008 • Category: News •Der tragische Fall von Chantal Sébire sorgt nicht nur in Frankreich für Diskussionen: Die von einem äußerst seltenen und extrem bösartigen Tumoren verunstaltete Französin, die darum kämpft, in den begleiteten Freitod gehen zu können, hat sich sogar in einem Brief an Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy gewandt. Doch obwohl ihr Leben für sie nur noch eine Qual ist - sie hat dauerhafte Schmerzen, der Tumor hat Nase, Kiefer und Augen aufgefressen - wird ihr der Wunsch verweigert. “Unchristlich”, behauptet die in Frankreich vorherrschende katholische Kirche, “gegen das Gesetz”, erklärt die Justiz. Chantal Sébire muss mit ihren Schmerzen weiterleben, bis der Tumor sie tötet.
Auch in Deutschland ist die aktive Sterbehilfe verboten und ist in weiten Kreisen als moralisch und ethisch verwerflich verpönt. Doch sollte nicht jeder Mensch selbst entscheiden können, ob er oder sie weiterleben will? Oder ist es einfach nicht richtig, weil es niemandem möglich sein kann, eine solch endgültige Sache zu entscheiden? Müssen die Familienangehörigen zustimmen oder muss ein Mindestalter, ein bestimmter Grad an Schmerzen oder Krankheit vorliegen, damit eine Person Sterbehilfe in Anspruch nehmen darf?
Die Schwierigkeit liegt in der Hauptsache durch die juristische Nähe zum Tatbestand des Mordes oder Totschlags. Wenn ein Patient nicht mehr fähig ist, sich auf irgendeine Weise zu artikulieren, vor Jahren aber mal gesagt hat, dass er in einem solchen Falle nicht mehr leben möchte, was ist dann zu tun? Wer darf entscheiden? Verwandte, Ärzte oder ein Gericht? Das ganze ist schon eine heikle Angelegenheit. Dennoch möchte ich euch fragen, was ihr denn von Sterbehilfe haltet und ob man sie legalisieren sollte. Wo liegt eure persönliche Grenze zum nicht mehr Vertretbarem?
[via Spiegel Online]
Begriffserklärung: Sterbehilfe/Euthanasie
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Das ist leider doch genau das Problem an der Sache, wenn man zwar seinen Todeswunsch schriftlich Festgehalten hat,sich nun aber nicht mehr äussern kann, wer will es dann verantworten,das der Wunsch noch immer besteht ?
Die Erben die auf das Geld warten ?
Die Sache ist aber auch so,das man trotz allem,auch wenn man die Sterbehilfe nicht gewährt bekommt, dann noch den Freitod wählen kann,solange man noch wählen kann.
In diesem Fall kann die Frau noch sterben,auch wenn es nicht schön für die Mitmenschen sein wird.
Nur, hier bedarf es ihren eigenen Mut, aber Möglichkeiten gibt es genügende,wenn auch ein wenig schmerzhaftere.
Wenn ich so einem Zustand aus dem Leben treten will,dann würde ich einen Weg finden.
Schnell, kurzer Schmerz und garantiert Tödlich.
Die Schmerzen des Todes und die Art sind wahrscheinlich der Grund,warum die Dame lieber sterbehilfe nehmen möchte.
Doch eine Brücke wird sich sicherlich finden lassen,auch ein Messer oder ein paar andere legale mittel.
Ansonsten, viva la Eifelturm.
Theoretisch finde ich, dass jeder das Recht haben muss, selbst über sein Leben und dessen Länge zu bestimmen. Schwierig wird es, wenn man sich Sterbehilfe erbittet. Denn mal von den ganzen Diskussionen abgesehen: Wer will der Mörder sein? Selbst eine Maschine wurde erbaut und mit jedem Einsatz mehrt sich das Blut an den Händen des Erfinders.
Die Frau aus Frankreich tut mir jedenfalls sehr sehr leid.
@Sebastian: Ich weiß nicht, ob das so einfach für die Frau ist, aus mehreren Gründen: 1. ist sie blind und vielleicht nicht fähig, sich selbst umzubringen. 2. würde sie damit wohl ihre Familie in Verdacht zumindest der Beihilfe zum Mord bringen. Und 3. glaube ich, dass sie ein Zeichen setzen will, dass die Sterbehilfe ihrer Meinung nach zulässig ist und legalisiert werden muss.
@latita: Im Grunde stimme ich dir zu. Allerdings verlangt sie ja nur indirekte Hilfe, indem sie eine Substanz haben möchte, die sie nehmen kann, wann sie es möchte und für richtig hält. Schon ne schwierige Sache. Und die Frau kann einem wirklich Leid tun.
Genau das ist wahrscheinlich das schwere an der Sache, wer will der Mörder sein ?
Daher denke ich,das man selber sich,wenn man dies möchte,die Möglichkeiten parat legen muss.
Hi Konna, sorry,doppelpost.
Klar ist dies ein Problem,ich will der Dame auch nicht die sterbehilfe absprechen.
Aber,erstens sind die Gesetze für eben diese im weg, dagegen will die Frau ein Zeichen setzen.
Zum zweiten Sehe ich ein Problem in der Durchführung.
In der Schweiz soll es eine Firma geben,die führt Sterbehilfe durch,aber ich persönlich wüsste nicht ob ich das für einen Nahstehenden kann.
Alleine zu entscheiden,denn alles beendenden Knopf zu drücken.
Und da sehe ich auch das Problem wieder in die Sache,wer will sich die Verantwortung aufbürden ?
Wer kann ,wenn er es getan hat mit diesem Gewissen leben, ausser man hat keines ?
Um sowas machen zu können müsste ich mir absolut und zweifelsfrei sicher sein das richtige zu tun.
Das ist halt, besonderns mit dem 2. Reich Hintergedanken, das man über ein anderes Leben verfügt, ein sehr schweres Thema.
Ich habe mir vor ein paar Jahren, aus gegebenem Anlass, geschworen, dass nur ich für mein Leben verantwortlich bin. Wie ich an entsprechende Mittel rankommen würde, weiß ich zum Glück.
Sterbehilfe sollte unter strengen Auflagen, Gesetze, Kontrollinstanzen etc, ermöglicht werden. Dies könnte beispielsweise in speziell dafür geschulten (und überwachten) Hospizen geschehen. Am Anfang steht die Überprüfung durch zwei unabhängige, reputierte Ärzte (wie beim Hirntod vor der Organentnahme), darüber hinaus muss ein landesspezifischer Kontrolldienst (Landesgesundheitsämter etc.) und ein Vormundschaftsrichter den Wunsch des Patienten überprüfen. Vorallem auf die Aussichtslosigkeit der Erkrankung und die Auswirkungen dergleichen (Schmerzen, qualvolles Siechtum etc) auf die Menschenwürde bezogen. Sind alle Entscheidungen positiv bewertet und urkundlich beglaubigt, so sollte dem Verlangen nach passiver, event. auch aktiver, Sterbehilfe nichts im Wege stehen. Unter aktiver verstehe ich zum Beispiel, die notwendigen Medikamente in den Tropf zu tun, wenn die Person es nicht mehr kann. Ansonsten einfach das Medikament hinstellen und rausgehen. Sterben ist immerhin eine sehr persönliche Angelegenheit!
@Sebastian: Also die Frau kann es ja noch selbst entscheiden, sie kann noch reden und bei klarem Verstand scheint sie auch zu sein. Ihre Kinder unterstützen ihren Wunsch. In die Schweiz könnte sie natürlich gehen, aber wenn sie kann es dann nur machen, so lange sie dort ist, so wie ich das verstanden habe, möchte sie den Zeitpunkt nach eigenem ermessen wählen, ich weiß es aber nicht. Vielleicht kann sich die Familie das auch nicht leisten.
@e-leo: Natürlich sollte so ein Prozess strenger Überwachung und Prüfung unterzogen werden. Aber du sagst jetzt, dass du nur selbst über dein Leben verfügen willst. Was aber, wenn du unverhofft einen Autounfall (Gott bewahre) hast und ins Koma fällst und nur mit Geräten am Leben erhalten wirst, vermutlich sogar Schmezen hast. Sollte da nicht die Familie entscheiden können? Oder hast du irgendwo deinen Willen verfügt? Ok, das fällt jetzt nicht mehr unter aktive Sterbehilfe sondern unter die (meines Wissens nach legale) Beendigung lebenserhaltender Maßnahmen, aber die Antwort würde mich doch interessieren.
@Konna
Ja! Ich verfüge über Testament und über eine Patientenverfügung (samt Betreuungsverfügung/ Vorsorgevollmacht, falls ich nicht dazu in der Lage sein sollte übernimmt Entscheidungen eine mir nahe stehende Person). Beides auch bei Gericht hinterlegt. Ein Ereignis vor einigen Jahren hat mich dazu bewogen. Und bevor Fragen auftauchen *grins*. Ich bin der gesündeste Mensch auf Erden
Stimmt,das kann sein, und dann kann sie den Zeitpunkt nicht mehr frei wählen,wenn sie erst in die Schweiz reisen muss.
Aber die Frau hat Recht, es muss einfach eine vernünftige Lösung gefunden werden, nicht nur in Frankreich, damit eine Gesetzliche Grundlage für diese Fragen geschaffen werden kann.
Selbstmord, Sterbehilfe, Mord - ein schmaler Grad…
Die Schweizer Organisation für Sterbehilfe Dignitas geriet jetzt mit ihrer „neuen Methode“ für Sterbehilfe in die Schlagzeilen. Mittels einer Plastiktüte über den Kopf und dann eingeleitetem Helium sollen sterbewillige…
@e-leo: Aber wenn es zu diesem Fall kommen sollte, dann hast du ja nur indirekt selbst entschieden, oder? Wenn die Person ne Vollmacht hat, dann wäre die Entscheidung ja auf sie quasi abgeschoben. Hast du mit deiner Vertrauensperson denn mal darüber gesprochen?
@Sebastian: Seh ich auch so - es sollte irgendwie eine Lösung geben, die solche Fälle regelt - und zwar auf menschliche Weise.
Madame Chantal Sébire hat es hinter sich. Sie ist zwei Tage nach der Entscheidung gestorben.
http://www.focus.de/gesundheit.....66227.html
Am Ende ist auch ein Link zu einem Artikel über Patientenvollmacht und Co.
@Konna
Ja, denn diese Person arbeitet in einem Hospiz und kann damit umgehen. Sie genießt mein vollstes und absolutes Vertrauen. Sie würde immer in meinem Sinne, der ihr bekannt ist, entscheiden bzw. handeln. Auch meine Familie ist darüber informiert, dass sie diejenige ist.
Ich bin froh, dass Madame Sébire nun keine Schmerzen mehr haben muss.
Was mischt sich da bitte immer die Kirche ein und spricht von Unchristlichkeit. Lieber unchristlich als ständig mit Schmerzen durchs Leben gehen müssen. Nachdem ich “Mitten ins Gesicht” von Kluun gelesen habe, bin ich auch dafür, dass Menschen, denen der baldige Tod vorausgesagt wird, selbst entscheiden können, wann der Tag sein soll. So kann man sich “offiziell” von allen lieben Menschen verabschieden und kann dann einschlafen. Ich stelle mir das um einiges schöner vor, als mit Unwissenheit und Schmerzen irgendwann zu sterben.
Vor was hat die Politik Angst? Vor Massen an Menschen, die nicht mehr leben wollen? Gebt den Menschen doch bitte das Recht zurück, über ihren eigenen Tod zu entscheiden.