Lebensmittelkennzeichnung mit Ampel?
By Jenni • 16. February 2008 • Category: Vermischtes •
Hast du schon mal “Schatz, reich mir mal die Stulle, bitte.” oder “Mach mir mal ein Schnittchen!” zu deinem aktuellen Lebenspartner, oder gar “Pampf” zu deinem Essen gesagt oder dich sonst irgendwie abfällig darüber geäußert? Dann pass bloß auf, dass dich nicht demnächst dein Frühstück vor den Kadi schleppt, denn die Politik und Konzernbosse1 sind strikt gegen die Diskriminierung von Lebensmitteln!
Du warst dir bis eben keiner Schuld bewusst? Macht nix. Ich auch nicht.
Es geht eigentlich auch gar nicht darum, was der Ottonormalverbraucher zu seinen Früchtchen sagt, oder ob er sein Schwarzbrot politisch inkorrekt bezeichnet2 , sondern um die Kennzeichnung von Lebensmitteln.
Ein Thema, das im Moment nicht nur in der europaweiten Politik eifrig diskutiert wird. Einig sind sich alle eigentlich nur darin, dass sich etwas ändern muss, damit der drohenden Verfettung der Europäischen Bürger Einhalt geboten wird. Doch das in England so erfolgreich eingeführte Ampelprinzip, dass Lebensmittel für jeden einfach nachvollziehbar kennzeichnet, ist bei vielen Lebensmittelherstellern verpönt.
Nur mal kurz zur Info, worum es geht: Vielfach wird gefordert, dass Lebensmittel einen Aufdruck bekommen sollen, auf dem die jeweilig enthaltenen Mengen Fett, gesättigter Fettsäuren, Zucker und Salz angegeben sind. Erhöhte Gehalte werden gelb, zu hohe rot und dementsprechend unbedenkliche Inhalte grün gekennzeichnet. Das dabei natürlich Olivenöl einen roten Punkt bei fett erhält ist klar, doch deswegen ist es noch lange nicht ungesund. In England Großbritannien (Dank für den Hinweis an juliaL49!) wird dieses Prinzip erfolgreich angewandt und ein Großteil der Verbraucher ist sehr zufrieden.
Dieses System soll dem Konsumenten einfach nur helfen sich schnell zu orientieren und einzuordnen, wie viel man von Lebensmitteln konsumiert, die zum Beispiel einen erhöhten Salz oder Zuckergehalt haben.
Vor allem in der Ernährungserziehung wäre dieses System sicher hilfreich. Aber wie schon erwähnt so richtig beliebt ist es nicht überall. So wird auch immer wieder die oben genannte Diskriminierung bestimmter Lebensmittel als Argument gegen die Ampel eingeworfen.
Deswegen werden wir Verbraucher uns wohl vorerst weiterhin mit viel zu kleinen und undurchsichtigen Angaben zu Inhaltstoffen und Zusätzen auseinandersetzten müssen. Ein wenig Übersicht kann man sich allerdings hier verschaffen, doch auch dann dauert es gerne mal eine halbe Stunde, bis man “sein” Produkt gefunden hat. Also bring Zeit und was zu Essen mit, die Recherche macht nämlich Hunger.
Allen, die das Thema interessiert, möchte ich gerne noch die Sendung Hart aber Fair vom 12. Februar zu diesem Thema ans Herz legen. Ich habe sie mit viel Interesse verfolgt.
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Naja, ich fürchte, mein Einkaufswagen würde vor roten Ampeln strotzen.
Also bin ich nicht SO der Fan einer solchen Kennzeichnung. Abgesehen davon ist das wieder ein weiterer Schritt in die Unmündigkeit. Es gibt jetzt schon Nährwertangaben auf den Lebensmitteln und man sollte erwarten können, daß die meisten Menschen Zahlen lesen können. So ein bißchen erinnert mich das an die Kennzeichnung des amerikanischen Parkplatzes bei der Kaserne in meiner Nähe. Die einzelnen Parkregionen sind hier mit Tierbildern gekennzeichnet, weil es wohl zu schwer ist, sich eine Zahl zu merken… (Und ganz schlau: Das sind Bilder von Tieren, die kein Arsch kennt, z.B. ein Ozelot oder eine Art Wolpertinger).
Hm… vielleicht hast du recht, aber ich denke eigentlich nicht, dass es den Bürger entmündigt. Klar sollte man sich bei dem was man isst auskennen, aber viele kennen sich ben nicht aus. Und ich würde es schon hilfreich finden, wenn ich auf einem Blick einordnen kann, dass ich mich von vielen Produkten ernähre, die zB zu viel Salz enthalten. Und gerade bei Kinderprodukten, die Kinder ja auch gerne mal alleine kaufen oder die als Quengelware in den Einkaufswägen landen finde ich sowas wichtig. wer weiß denn schon, dass ein beliebter Kinderjoghurtdrink auf de Liter hochgerechnet 40! Stück Würfelzucker enthält? Da ist Cola ja geradezu harmlos gegen. Ich finde schon, dass da Handlungsbedarf besteht.
Hi,
ja, ja, ich glaube, bei fast keinem Produkt gibt es soviel Halbwissen, Falschinformationen und Irrtümer wie bei der Nahrung. Es soll ja immer noch Leute geben, die glaube von Diät-Schokolade würde man abnehmen. Im Ernst, über das Thema Ernährung gibt es schon Bücher wie Sand am Meer. Ich weiß nicht, ob es einer Ampel bedarf. Ich glaube auch nicht, dass die Übergwichtigen zu dumm sind und nicht wissen, dass man von Chips und Cola dick wird. Das ist wie mit dem Rauchen, da weiß doch auch jeder, dass das nicht eben der GEsundheit dienlich ist. Also warum soll man dann auch noch eine Ampel auf die Lebensmittel drucken. Ich sehe das so wie Katja, es steht doch jetzt auch schon alles wichtige drauf…ein bisschen Eigenverantwortung sollte beim Kunden schon vorhanden sein…man kann auch alles “totregulieren”…
Gruß,
Martin
Das geht mir noch nicht weit genug. Ich fordere hiermit große Warnhinweise auf allen Lebensmitteln, etwa “Essen kann zu Fettleibigkeit führen” oder “Essen kann tödlich sein”. Damit es auch alle wissen.
@ Martin: Also. als erstes glaube ich auch nicht, dass Übergewichtige zu dumm sind zu wissen was sie essen und was dick macht. Das wäre auch ziemlich bescheuert, dann würde ich mich selbst für dumm halten. Ich finde nur, dass es einfacher sichtbar und einschätzbar sein sollte, was in welchen Mengen in den Lebensmitteln vorhanden ist. Nicht damit die Leute weniger nachdenken beim kaufe, sondern damit sie sich nicht verarschen lassen von der Werbung. Und wenn man mal die Leute fragt, was in den Lebensmitteln so drin ist und wie sie zB den Salzgehalt einschätzen, dann weiß es eben die Mehrheit nicht und ist völlig überrascht. Und Bücher gibt es sicherlich immer mal wieder, so viele, wies unterschiedliche Diäten gibt. Aber ich finde es muss auch einfacher möglich sein. Allerdings kann da natürlich jeder seine eigene Meinung zu haben, sonst würde das Diskutieren ja auch keinen Spaß bringen.
@ Konna: -.- kein Kommentar
So gegensätzlich sind die Meinungen ja gar nicht…ich finde es zum Beispiel ganz richtig, dass es keine Light Zigaretten mehr gibt oder man nicht mehr mit fettfreiem Weingummi werben darf, aber bei einigen Sachen wird einfach zuviel reguliert, oder?
Gruß,
Martin
@Konna
Richtig! Und dann dazu Bilder von Fettlebern und Magengeschwüren und einfach gaaaanz dicken, häßlichen Frauen in Leggins *schüttel*
Schon, aber ich finde nicht, dass das dazugehört. wie gesagt, es geht ja nicht darum, dass man Lebensmittel oder Menschen, die bestimmte Lebensmittel essen in Schubladen sortieren, sondern darum den Leuten, die es eben nicht können (und das sind leider viele) den Umgang mit Lebensmittel und den Weg zu einer ausgewogenen Ernährung zu erleichtern. Klar kann dann ein Übergewichtiger auch weiterhin Chips und Schokolade futtern und auch Kinder werden sicher immer noch lieber Bonbons als Obst essen, denn das sind Schalter, die im Kopf und in der Erziehung umgelegt werden müssen. Aber ich könnte mir, wäre ich Mutter, auf die Schnelle einer Überblick über die Lebensmittel verschaffen, die im Supermarkt liegen und müsste dafür nicht winzigkleine Ettiketten studieren, die man meist eh erst auf den zweiten Blick findet.
@ E-Leo: Hej, ich versuch hier eine ernsthafte Diskussion zu führen *beleidigt tut*
Irgendwie fühl ich mich von Konna und dir nicht so wirklich ernst genommen
Du wirst lachen! Das war zum Teil bei mir Ernst gemeint. Manche Leute sind wirklich nicht in der Lage (egal ob gewollt oder nicht) die Inhaltsangaben zu lesen. Auch sollte man mal einen Blick in die Exxx-Liste werfen oder darauf achten ob nicht genmanipulierte Stoffe drin sind. Gerne bei Mais und Soja der Fall. Das Ampelsystem sollte, meiner Meinung nach, event. auf bestimmte Warengruppen begrenzt werden. Also Kindernahrung, Junkfood, Limonaden etc. Auf dem (Bauern-, Wochen-)Markt braucht es sowas ja nicht.
Ah, ok. Dann bin ich jetzt beruhigt. Das ist mir leider auch nur zu bewusst, dass das mit den Inhaltsangaben nicht so einfach ist. Und selbst wenn man in der Lage ist diese Dinge zu lesen und auch einordnen zu können, muss man teilweise auch noch merkwürdigste Berechnungen anstellen, um herauszufinden, was das bedeutet was auf den Lebensmittel steht. Die Regelung die du vorschlägst wäre vielleicht ein guter Kompromiss. Auf der Seite, die ich im Artikel verlinkt habe kann man sich übrigens auch über E-Nummern informieren. ( http://das-ist-drin.de/glossar/ ) Für diejenigen, die das hier lesen und nicht wissen was Exxx-Listen sind und wo man sie findet. Ist keine Schande. Mein Mathelehrer hat immer gesagt, man muss nicht alles wissen, nur wo man es nachschlagen kann.
Ein sehr schöner Artikel und noch viel schönere Kommentare! Da kann ich mich auch mal gleich auslassen.
Zunächst fiel mir auf, dass du die politische Unkorrektheit sogar soweit durchgezogen hast, dass du England statt Großbritannien gesagt hast! Ich kann jedenfalls berichten, dass als ich in Schottland (!) gewohnt habe, ich die Hinweise einerseits gut fand, weil informiert wurde (in D gibt es ja die Kennzeichnungspflicht noch nicht so lange und auch nicht so ausführlich), aber andererseits bin ich mir echt oft für dumm verkauft vorgekommen (wie es in einem Kommentar schon angesprochen wurde). Die Angaben gehen ja bis in kleinste Detail und werden so erklärt, als ob man 5 Jahre alt wäre und von nix Ahnung hat. Außerdem schießen sie weit übers Ziel hinaus, wie z.B. die Angaben für Allergiker auf einem Tomatensoßenglas, dass Nüsse oder Nussprodukte enthalten sein können, weil in derselben Fabrik auch Nüsse verarbeitet werden.
Ok, das war mir nicht bewusst, in punkto Großbritannien bin ich auf Hörensagen hereingefallen. Das werde ich sofort ändern.
Ich finde auch, dass man nicht alles ins kleinste Detail angeben muss. Allergikerhinweise, zum Beispiel stehen wohl auch nur drauf, weil Firmen deswegen verklagt worden sind. (so wie die Sache mit dem Hund in der Mikrowelle) Aber man sollte vielleicht zusätzlich zu den Grundinfos auch noch spezielle Infos zugänglich gemacht bekommen, so man sie benötigt. Zum Beispiel im Internet.
Und vielen Dannk für das Kompliment
@e-leo: Und dann brauchen wir noch die Kennzeichnung von Solarien mit abschreckenden Bildern faltiger Menschen, die Kennzeichnung von Sportgeräten mit Rollstuhlfahrern, die Kennzeichnung von Zündhölzern und Feuerzeugen mit Brandopfern und die Kennzeichnung von Autos mit Verkehrsleichen (etc.).
Und wenn schon, dann muss das natürlich konsequent durchgezogen werden. Auch auf dem Bauernmarkt. Nur weil dort Salat, Kartoffeln und sonst was verkauft wird, heißt das nicht, daß der Bauer nicht Fungizide, Pestizide oder genmanipuliertes Saatgut verwendet!
Baah, man kann auch zu-Tode-warnen…
Und was ist mit den Leuten, die nicht das Geld haben, sich gesunde Lebensmittel zu kaufen? (Ich erinnere mich hier an meine Hartz-IV-Zeit, da entscheidest Du Dich aber ganz schnell für eine 50-Cent-Packung Salami und eine 50-Cent-Packung Toastbrot anstelle von einem 1-Euro-Salat. Ein Ampel-System hätte mir da sicher nichts gebracht, im Gegenteil, das hätte mich noch mehr deprimiert^^).
Katja, das ist natürlich klar! Man kann auch nicht einfach das System da hinsetzten und sagen, das ist die Lösung! Darum gehts ja auch in der Sendung, die ich da verlinkt habe. Da muss sich grundlegend etwas ändern. Auch zum Beispiel im Bezug auf Schulsport, der leider viel zu oft vernachlässigt wird. Nur, wenn ich sage, es bringt eh nichts an dieser Stelle anzufangen, weil der Rest ja auch nicht optimal ist, dann brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Es geht eben darum den Anfang zu machen und dann nach und nach das System zu reformiren aber dafür gründlich. Ist zumindest meine Meinung.
Naja, der Anfang wäre, den Menschen wieder etwas mehr Verantwortung beizubringen. Ein paar bunte Schildchen auf Lebensmittel sind da eher kontraproduktiv. Irgendwann brauchen wir gar nicht mehr zu denken, wir müssen uns ja jetzt schon nicht überlegen, wieviel Kaffee wir für eine Tasse brauchen, schließlich gibt es Pads oder wieviel Waschmittel in die Maschine kommen soll, denn es gibt diese praktischen Tabs, die uns diese Entscheidung abnehmen und in Zukunft greifen wir zur grünen Ampel und sind automatisch schlank und gesund.
Mir ist schon klar, daß ich hier alles etwas überspitzt formuliere. Aber wir befinden uns in einem Regulierungswahn. Ich sehe eben Stück für Stück meine (Entscheidungs-)Freiheit schwinden. Und das pisst mich so richtig an.
Ich würde in diesem Fall, also in Punkto Lebensmittel auch sicher nicht auf die Barrikaden gehen. Ich pfeife meinen Lynchmob erst zusammen, wenn die Kennzeichnungspflicht für Blogs oder die Kennzeichnungspflicht für Menschen kommt.
Das mit der Kennzeichnungspflicht für Menschen hatten wir ja schonmal so ähnlich, war nicht gut.
Und wenn es mit der Kennzeichnung danach ginge, was nicht gesund ist, so müsste heute jedes Nahrungsmittel nen roten Sticker kriegen. Man hört es doch ständig, dass man dieses und jenes nicht mehr essen darf. Wir vergiften uns selbst, nur um des Geschmackes willen. Und es funktioniert.
@Katja
Dann habe ich mir mal die Verpackung angesehen 
Aber ich liebe Deine Art zu schreiben. Das muss Gottes Gnade sein…
Das Hartz4 Problem kenne ich selber. Ich bin noch ca. 7-8 Wochen davon betroffen! Und übrigens: Die komischen Big-Minifeuerzeuge sind seit einiger Zeit mit einer Kindersicherung ausgestattet. Ich habe zwei Dinger weggeworfen, weil ich dachte sie sind kaputt
Außerdem hast Du in der Aufzählung die Baumärkte vergessen *fall_gleich_vom_Stuhl_vor_Lachen*. Schon mal bedacht, wie viele Hobby-Heimwerker sich da mit dem Hammer auf den Daumen genagelt haben? Und die Kennzeichnungspflicht für Blogs gibts ja schon… hast Du selber schon mal angeprangert. Von wegen Ü18 und so
LG aus Berlin
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